Gitterschnitt-Prüfung für die Haftung

Die Gitterschnitt-Prüfung ist eine schnelle einfache Methode, um abschätzen, wie gut eine Beschichtung auf einem Metall haftet. Eine gute Haftung ist wichtig. Denn löst sich etwa ein Lack leicht von einer Oberfläche ab, kann dieser den Untergrund nicht mehr vor Umwelteinflüssen schützen.
Diese Prüfung lässt sich kurz wie folgt beschreiben: In die zu testende Beschichtung wird ein Gitter geritzt. Im Anschluss daran wird ein Klebeband auf die eingeritzte Oberfläche gedrückt und ruckartig abgezogen. Diese Methode ist eine Weiterentwicklung des Tape-Testes. Die Norm ISO 2409 der Internationalen Standardisierungsorganisation (ISO) macht die Ergebnisse von Gitterschnitt-Tests vergleichbar. Die deutsche Fassung lautet „DIN EN ISO 2409 Beschichtungsstoffe – Gitterschnittprüfung“.

Etwas mehr Details zur Gitterschnitt-Prüfung: Erst werden in eine Beschichtung sechs parallele Schnitte mit einem Cuttermesser geritzt. Ihr Abstand voneinander hängt von der Schichtdicke ab. Sind diese dünner als 60 µm, beträgt der Schnittabstand 1 mm. Sind sie zwischen 60 und 120 µm dünn, beträgt der Abstand 2 mm. Sind Schutzschichten dicker, beträgt er 3 mm. Im zweiten Schritt werden sechs weitere Schnitte im rechten Winkel angebracht. Es entsteht ein gleichmäßiges Quadratmuster.
Danach wird auf das entstandene Quadrat ein Klarsicht- oder ein Kreppklebeband aufgeklebt. Dieses wird ruckartig in einem Winkel von 60° abgezogen. Auf die Klebkraft des Klebebands ist zu achten. So macht die Norm ISO 10683 mit dem Titel „Verbindungselemente – Nichtelektrolytisch aufgebrachte Zinklamellenüberzüge“ eine klare Vorgabe: Wird geprüft, wie solche Überzüge auf Metallblech haften, sind Klebebänder mit einer Haftkraft von 6 bis 8 N/25 mm zu verwenden.
Zur Auswertung wird das verbliebene Gitter betrachtet und die Haftung mit vergleichenden Bildern aus der Norm ISO 2409 bewertet. Je weniger Beschichtung abgezogen wurde, desto besser die Haftung. Um solche Versuche zu bewerten, verwenden Fachleute aus der Norm auch Gitterschnitt-Kennwerte (Gt). Es gibt deren sechs: Gt 0 bis Gt 5. Der Kennwert 0 entspricht einer sehr guten Haftfestigkeit, der von 5 einer sehr schlechte Haftfestigkeit:

• Gt. 0: Kein Abschälen oder Abblättern. Die Schnittränder sind vollkommen glatt. Keines der Quadrate des Gitters ist abgeplatzt
• Gt. 1: Spuren von Abschälen oder Abblättern entlang der Schnitte. An den Schnittpunkten der Gitterlinien sind kleine Splitter der Beschichtung abgeplatzt. Abgeplatzte Fläche nicht größer als 5% der Gitterschnittfläche.
• Gt. 2: Gezacktes Abblättern entlang der Schnitte. Die Beschichtung ist längs der Schnittränder oder an den Schnittpunkten der Gitterlinien abgeplatzt. Abgeplatzte Fläche größer als 5%, aber nicht größer als 15% der Gitterschnittfläche.
• Gt. 3: Gezacktes Abblättern entlang der Schnitte. Die Beschichtung ist längs der Schnittränder teilweise oder ganz in breiten Streifen abgeplatzt, und/oder einige Quadrate sind teilweise oder ganz abgeplatzt. Abgeplatzte Fläche größer als 15% aber nicht größer als 35% der Gitterschnittfläche.
• Gt. 4: Abblättern auf nahezu der gesamten Fläche des eingeritzten Quadrats . Die Beschichtung ist längs der Schnittränder in breiten Streifen abgeplatzt oder einige Quadrate sind ganz oder teilweise abgeplatzt. Abgeplatzte Oberfläche größer als 35% aber nicht größer als 65% der Gitterschnittfläche.
• Gt. 5: Abblättern über die Fläche am eingeritzten Quadrats hinaus. Jedes Abplatzen, das nicht mehr als Gitterschnitt-Kennwert 4 eingestuft werden kann.
Die Gitterschnitt-Prüfung wird in der Praxis meist als ja/nein-Test verwendet. Gewünscht sind Beschichtungen mit einem Gitterschnitt-Kennwert von 0, akzeptiert werden meist Kennwerte kleiner oder gleich 1 – also von Null bis 1.

Zwei Hinweise zum Schluss:
Die Gitterschnitt-Prüfung ist weder für Schichtdicken von mehr als 250 µm noch für strukturierte Oberflächen geeignet.
Da beim Einritzen der Schnitte per Hand mit einem Cuttermesser kleine Schwankungen auftreten können, gibt es auch automatisierte Verfahren.